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Lufthansa: Nichts geht mehr – Flugzeuge bleiben am Boden

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Chaos am Flughafen: Der ganztägige Streik der Piloten hat am Freitag den gesamten Lufthansa-Flugbetrieb nahezu stillstehen lassen. Mehr als 800 Flüge mit 130.000 betroffenen Passagieren hatte die Gesellschaft am Vortag vorsorglich abgesagt und auch nicht versucht, ein Rumpfprogramm beispielsweise mit Management-Piloten in die Luft zu bekommen.

Am Morgen hatte der Streik planmäßig begonnen, wie ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sagte. Der Ausstand ist dem Vorstandsbeschluss zufolge auf 24 Stunden beschränkt. Auf Kundgebungen oder Streikversammlungen verzichtete die Gewerkschaft wohl auch aus Sorge vor negativen Reaktionen. 

Laut Verdi war es beim Streik des Lufthansa-Bodenpersonals im Juli zu massiven Anfeindungen gekommen. Es habe sogar Morddrohungen gegeben, sagte Verdi-Chef Frank Werneke der Augsburger Allgemeinen. "Ich empfand es als sehr bedrückend, dass Menschen, die auf unserer Seite in dem Lufthansa-Streik Verantwortung übernommen haben, bedroht wurden", sagte der Verdi-Chef.

In den Terminals am Frankfurter Drehkreuz war es am Freitag vergleichsweise ruhig, wie der Betreiber Fraport -0,19% berichtete. Die meisten Passagiere hatten die Flugabsagen rechtzeitig mitbekommen. An den Service-Schaltern der Lufthansa bildeten sich dennoch lange Schlangen mit Langstrecken-Passagieren, die auf Weitertransport hofften.

Rechte für Passagiere bei Flugausfall 

Den Passagieren stehen bei Ausfällen oder schwerwiegenden Verspätungen ab drei Stunden Erstattungen und möglicherweise auch Ausgleichszahlungen bis zu 600 Euro zu. Es handele sich bei dem Streik nicht um einen außergewöhnlichen Umstand außerhalb des Einflussbereichs der Lufthansa, erklärte der Leiter der Rechtsabteilung des Portals "Flightright", Oskar de Felice. In solchen Fällen müsse die Gesellschaft haften, habe der Europäische Gerichtshof im vergangenen Jahr unmissverständlich entschieden.

Nur Abflüge aus Deutschland betroffen 

Bestreikt werden laut Vereinigung Cockpit ausschließlich die Abflüge der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie der Lufthansa Cargo von deutschen Flughäfen. Die Tochtergesellschaften Eurowings, Lufthansa Cityline und Eurowings Discover sind von dem Aufruf nicht betroffen und sollen planmäßig fliegen. Gleiches gilt für ausländische Lufthansa-Töchter wie Swiss, Austrian oder Brussels. Auch Lufthansa-Flüge von nicht-deutschen Startpunkten finden statt, sofern Flugzeuge und Crews bereits im Ausland sind.

Forderungen nicht vertretbar 

Laut Lufthansa würden die Forderungen der VC die Personalkosten im Cockpit um 40 Prozent erhöhen. Dies sei selbst ohne Rücksicht auf die finanziellen Folgen der Corona-Krise außerhalb des Vertretbaren. Die VC hatte neben 5,5 Prozent mehr Geld in diesem Jahr einen automatisierten Ausgleich oberhalb der Inflation ab 2023 verlangt. Dazu kämen eine neue Gehaltstabelle sowie mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub und Training. Auf eine Laufzeit von zwei Jahren würde das eine Mehrbelastung von 900 Millionen Euro bedeuten, erklärte die Lufthansa.

Das macht die Lufthansa-Aktie

An der Börse zeigten sich die Anleger von dem Streik unbeeindruckt: Die Lufthansa-Aktie +0,39% legte zur Mittagszeit um 2,5 Prozent zu und zählte damit zu den Gewinnern im MDAX. Seit Jahresanfang haben die Papiere allerdings rund 13 Prozent eingebüßt (Mit Material von dpa-AFX).

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