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Wochenausblick: High Noon für DAX und Co

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nach der jüngsten Börsenschwäche werden die Konjunktursorgen vorerst nicht kleiner. Auch in der neuen Woche dürfte es der deutsche Aktienmarkt schwer haben mit einem Aufschwung. Zumindest bis Mittwoch. Um 20 Uhr deutscher Zeit richten sich dann alle Augen auf die Sitzung der US-Notenbank Fed. Ein weiterer großer Zinsschritt ist praktisch ausgemacht.

Nachdem der Deutsche Aktienindex DAX zuletzt stark unter der unerwartet hartnäckigen Inflation in den USA gelitten hatte, zittern die Anleger nun vor der US-Notenbank. Denn für die Fed ist Preisniveaustabilität neben einem hohen Beschäftigungsstand ein zentrales Ziel ihrer Geldpolitik. Befürchtet wird, dass die Notenbank im Kampf gegen die Teuerung die Leitzinsen zu stark anhebt und damit die Konjunktur abwürgt.

Am Freitag war der Aktienhandel geprägt vom vierfachen Verfall an den Terminbörsen. Letztlich ging der DAX -0,29% abgeschwächt bei 12.741 Punkten ins Wochenende (siehe Chart). Unterm Strich blieb ein Wochenminus von 2,65 Prozent. Am Sonntag-Morgen taxierte der Broker IG den Weekend-DAX bei 12.800 Punkten.

Der MDAX +0,22% war am Freitag zwischenzeitlich auf ein Tief seit Mai 2020 gerutscht und büßte am Ende über zwei Prozent auf 23.944 Punkte ein – ein hohes Wochenminus von 6,8 Prozent. Das lag zu einem Großteil an den massiven Kursverlusten von Uniper, die ab Montag nun im SDAX gelistet sind. 

Sechs-Monats-Chart DAX (Xetra)


Bei der hohen Inflation in den USA zeichnet sich keine grundlegende Entspannung ab. Zwar schwächte sich die Jahresinflationsrate von 8,5 Prozent im Vormonat auf 8,3 Prozent im August ab. Analysten hatten jedoch im Schnitt mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise sogar unerwartet. Die sogenannte Kerninflation, die die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise außen vor lässt, zog zudem an.

Hartnäckige US-Inflation

"Allgemein wurde diese negative Überraschung so interpretiert, dass das Inflationsproblem eben doch hartnäckiger ist, als viele und insbesondere die Zentralbanken bislang wahrhaben wollten", schrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Damit gerate auch die bisherige Annahme einer sogenannten "weichen Landung" der US-Wirtschaft, also die Vermeidung einer Rezession, ins Wanken.

Wenn die noch immer zu hohen Inflationserwartungen in der Volkswirtschaft nur durch eine tiefe Rezession zu brechen wären, dann trübt sich Kater zufolge der Konjunkturausblick für die gesamte Weltwirtschaft erheblich ein. Dies erkläre die starke negative Reaktion der Aktienmärkte auf eine einzige Kennzahl.

Kater zufolge ist es unwahrscheinlich, dass die Notenbanker Entwarnung geben, indem sie die Zinsen wieder lockern. Das bedeute, dass die bisherigen Zinssteigerungen bis auf Weiteres bestehen bleiben und sich sogar noch fortsetzen sollten. Und dies gelte nicht nur für die USA, sondern auch für den Euroraum.

Aussichten für 2023?

Hohe Zinsen können in mehrfacher Hinsicht den Aktienmarkt unter Druck setzen: So verteuern sich Kredite, was den Bewegungsspielraum von Verbrauchern und Unternehmen einschränkt. Zudem lohnt sich Zinssparen wieder ein Stück weit mehr, was Gelder in festverzinsliche Produkte leiten kann.

Laut Christian Scherrmann, US-Volkswirt der Fondsgesellschaft DWS, sollten Anleger neben der Zinserhöhung auch auf die Revision der Prognosen der Fed achten: "Wir gehen davon aus, dass für 2023 ein etwas schwächeres Wachstum und eine etwas höhere Inflation prognostiziert wird." Der ein oder andere Fed-Vertreter könnte insgeheim schon mit einer Rezession rechnen. Eine hartnäckigere Inflation und noch höhere Zinsen machen eine Rezession wahrscheinlicher und eine weiche Landung fraglich.

Mehrere Risikofaktoren

Damit sind die Aussichten für den deutschen Aktienmarkt verhalten. Mehr als eine Stabilisierung auf niedrigen Niveaus sei weiterhin nicht drin, schrieben die Analysten der DZ Bank. Denn der Anfang September einsetzende Versuch, Kursverluste aufzuholen, habe mit der Veröffentlichung der US-Inflationszahlen und den damit einhergehenden Spekulationen über Leitzinserhöhungen ein jähes Ende gefunden.

Auch für Analyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank bleibt die immer restriktiver werdende US-Geldpolitik einer der größten Risikofaktoren für Aktien. Jedoch sei ein Großteil der Investoren bereits negativ gestimmt, und in den USA setzten viele schon auf fallende Kurse. Diese Anleger könnten also gezwungen sein, im Falle einer positiven Überraschung seitens der Fed ihre Positionen aufzulösen und Aktien zu kaufen. Dies würde die Märkte entsprechend stützen.

Auch Zinsentscheidungen in China und Großbritannien

Mit Blick auf weitere Konjunkturdaten in der neuen Woche dürften am Freitag Umfragen unter Einkaufsmanagern aus dem Euroraum Beachtung finden, schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Dabei stehe die Frage im Raum, ob sich mit einem Rutsch unter die Expansionsgrenze von 50 Punkten die Rezessionssorgen im Euroraum verstärken.

Wenigstens gab es Windt zufolge zuletzt positive Nachrichten aus China, wo die Industrieproduktion wieder besser als erwartet ausgefallen sei. Von der Sitzung der chinesischen Notenbank am Dienstag könnten womöglich weitere günstige Signale für die Anleger ausgehen. Viel an Positivem stehe derzeit ohnehin nicht zur Verfügung. Am Donnerstag verkündet noch die Bank of England ihre wegen der Queen-Trauer um eine Woche verschobene Zinsentscheidung.  (Mit Material von dpa-AFX)

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