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Der Fall der Fälle

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Wie erwartet ist der Fall der Fälle eingetreten. Putin hat den Gashahn zugedreht und wird ihn erst dann wieder aufdrehen, wenn die Sanktionen fallen. Gleichzeitig sucht der Wirtschaftsminister einen Ausweg, wie die Gaslücke im Winter geschlossen werden kann. Seine Aussage lautet: Die Energieversorgung ist sicher. Er meint jedoch die Stromversorgung und unterschlägt elegant die Gasfrage. Was nun?

Die Aufhebung von Sanktionen ist keine Frage der Deutschen, sondern entweder in der UN oder im EU-Kreis irgendwie zu entscheiden. Auf keinen Fall kurzfristig, sondern nur im Zuge umfangreicher Kompromisse aller Beteiligten. Damit ist die Öffnung der Gasversorgung zeitlich nicht messbar, aber in der Sache wirksam.

Folgt man den einzelnen Expertenmeinungen, ergibt sich eine Einsparung der Gasverwendung von rd. 30 %. Sie gilt rechnerisch für etwa 70 % auf der Verbraucherseite und 30 % für die Industrie, denn jede zweite Wohnung in Deutschland ist gasbeheizt. Kalte Füße und warme Pullover sind der Ausweg im Winter. Wie die Deutschen dies hinkriegen, wird sich zeigen, aber sie sind dafür bekannt, es zu schaffen. Eine Normalisierung der Gasversorgung ist jedoch vor Mitte/Ende 2023 unmöglich, alleine schon aus technischen Gründen, wie der Bau der LNG-Terminals zeigt. Sicher ist damit, dass die deutsche Energiepolitik sich im Grundsatz ändern muss. Eröffnet wurde sie von Rot-Grün nach der Wahl in 1998. Ist eine Rückkehr zur Atomenergie eine Option? In der gegenwärtigen Diskussion gilt sie als unmöglich, in den Befragungen stimmen aber zwischen 84 bis knapp 90 % der Befragten dafür, die Atomenergie ganz oder teilweise zuzulassen, aber mit Sicherheit eine andere Energiepolitik zu betreiben. Was genau darunter zu verstehen ist, ist noch offen. Aber die Zwangslage ist unverkennbar: 45,5 % entfallen zurzeit in Sachen Strom auf erneuerbare Energien, 13,5 % auf die noch laufenden AKWs. Würde man die abgeschalteten, aber noch betriebsfähigen AKWs wieder zuschalten, wofür etwa 1,8 Mrd. € Investitionen nötig wären, läge der AKW-Anteil bei knapp 20 %. Der bisherige Rest wird von Kohle und Wasser abgedeckt. Also stehen die Deutschen vor einer Grundsatzentscheidung: Energiepolitisch kann man auf AKW nicht verzichten. Das zeigen alle Länder der Welt mit bis zur Stunde 477 AKWs am Netz plus rd. 50 weiteren AKWs in Planung oder im Bau. Die Entsorgung in allen diesen Werken ist längst gelöst - nicht durch Lagerung, sondern Wiederaufbereitung. Das erste Werk dieser Art baute Siemens bereits in den 80er Jahren in der Nähe von Hanau. Jeder kann es noch heute besichtigen, nachdem der damalige hessische Umweltminister Joschka Fischer den Betrieb untersagte. Jedenfalls ist die ursprüngliche typische Angst rund um die Entsorgung technisch gelöst.

Deutschland ist kein Wüstenland, sondern ein Industrieland. Wind und Solar sind brauchbare Ergänzungen, aber garantieren keine stabile Grundauslastung. Das ist leider nicht zu ändern. Gas ist vorläufig kein Übergang und Wasserstoff ist eine mögliche Zukunft, deren Realisierung noch offen ist. Vor allem deshalb, weil Wasserstoff sehr teuer ist und daraus kein dauerhaft günstiger Strompreis entsteht. Nur Atomstrom bietet diese Möglichkeit. Folge:

Die Deutschen kommen nicht umhin, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie eine neue Energiepolitik aufgebaut werden muss, die einerseits hinlänglich klimaneutral ist und andererseits dauerhaft vertretbare Energiepreise garantiert. Das wird der nächste Fall der Fälle.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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